Side-by-Side Erweiterung in S/4HANA
Architekturen im Vergleich
Die Entwicklung von Side-by-Side-Erweiterungen für SAP S/4HANA gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Unternehmen flexiblere und skalierbare Lösungen benötigen, die unabhängig vom Kernsystem betrieben werden können. Diese Erweiterungen ermöglichen es, neue Funktionen zu implementieren, ohne die Stabilität des zentralen Kern-Systems zu gefährden. Im Rahmen eines Architekturvergleichs wurden verschiedene Softwarearchitekturen analysiert und hinsichtlich ihrer Eignung für Side-by-Side-Erweiterungen bewertet. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Wahl der passenden Architektur maßgeblich zum Erfolg solcher Projekte beiträgt.
Architekturbewertung
Um die optimale Architektur für Side-by-Side-Erweiterungen zu identifizieren, wurden systematische Bewertungen anhand der Pugh-Matrix durchgeführt. Dabei wurden folgende Architekturen verglichen:

Die Bewertungskriterien umfassten unter anderem Skalierbarkeit, Wartbarkeit, Flexibilität, Sicherheit, Kosten, Leistung, Integration und Zukunftssicherheit.
Key Takeaways:
- Die Microservices-Architektur eignet sich kurzfristig aufgrund ihrer Modularität und Flexibilität, ist jedoch langfristig weniger zukunftssicher als die Cloud-native Architektur.
- Die Cloud-native Architektur schnitt am besten ab, da sie Skalierbarkeit, Automatisierung und moderne DevOps-Praktiken optimal vereint.
- Ereignisgesteuerte Architektur ist ideal für asynchrone Prozesse, aber komplexer in der Implementierung.
- Composable Architektur bietet Wiederverwendbarkeit, ist jedoch tendenziell weniger skalierbar.
- Hexagonale Architektur punktet bei Testbarkeit, zeigt aber Schwächen in der Skalierbarkeit.
Wann ist SAP Event Mesh notwendig?

Der Einsatz eines Event Mesh wird empfohlen zu integrieren, wenn asynchrone, entkoppelte oder skalierbare Prozesse im Fokus stehen. Typische Szenarien: Komplexe Workflows mit mehreren Systemen zeigen sich zum Beispiel daran, dass eine einzelne Beschwerde nicht nur eine E-Mail auslöst, sondern gleichzeitig ein CRM-System aktualisiert und einen Reporting-Prozess anstößt. Auch bei hohen Datenlasten und Batch-Verarbeitungen, wie etwa der Synchronisierung von tausenden Lieferantendaten, sorgt Event Mesh für Entlastung des Kernsystems, indem es die Verarbeitung asynchron gestaltet. Darüber hinaus bietet Event Mesh ein hohes Maß an Resilienz und Offline-Fähigkeit: Ist das SAP S/4HANA-System vorübergehend nicht verfügbar, werden die Events zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt automatisch weitergeleitet.
Vorteile:
- Entkopplung der Systeme: Änderungen in einem Service beeinflussen andere nicht.
- Skalierbarkeit: Events können parallel verarbeitet werden.
- Zuverlässigkeit: Wiederholungsmechanismen bei Fehlern (Retry-Logic).
Direkter Vergleich API vs. Event Mesh
| Kriterium | API | SAP Event Mesh |
| Kommunikationsart | Synchron/ asynchron | Asynchron (Event-basiert) |
| Eignung | Einfache, isolierte Prozesse | Komplexe, verteilte Workflows |
| Latenz | Niedrig | Höher (durch Pufferung) |
| Fehlertoleranz | Begrenzt | Hoch (Automatische Wiederholung) |
| Use-Cases | Datenabfrage, CRUD-Operationen | Benachrichtigungen, Batch-Updates |
Hybridansatz: API + Event Mesh kombinieren
In der Praxis lassen sich beide Technologien optimal verbinden. Ein Beispiel hierfür ist eine Side-by-Side-Erweiterung zur Beschwerdeerfassung. Sie nutzt eine API, um Stammdaten aus SAP S/4HANA abzurufen (synchron). Gleichzeitig wird ein Event ausgelöst, das über Event Mesh an die Integration Suite gesendet wird (asynchron), um Benachrichtigungen und Archivierung zu triggern.
Vorteile:
- Synchrone Prozesse bleiben performant.
- Asynchrone Tasks entlasten das Kernsystem.
- Flexibilität durch Entkopplung kritischer Komponenten.
Praktische Entscheidungshilfe
Nutzen Sie diese Fragen, um die passende Technologie auszuwählen:

Durch diese Klarheit reduzieren Sie Komplexität und vermeiden Overengineering.
Herausforderungen in Multi-Cloud-Szenarien

Die Nutzung von Multi-Cloud-Szenarien bringt insbesondere bei Side-by-Side-Erweiterungen besondere Herausforderungen mit sich. Ein häufiges Problem ist das Fehlen von CDS-Views: Bei der Arbeit mit der Business Partner API gestaltet sich der Zugriff auf bestimmte Kontaktdaten wie E-Mail-Adressen oder Telefonnummern schwierig, da diese Informationen in separaten Datenstrukturen vorliegen und eine direkte Erweiterung erschweren. Hinzu kommt ein Mangel an praxisnahen Code-Beispielen und detaillierter Dokumentation, was die Integration solcher Daten in Anwendungen zusätzlich verkompliziert. Auch Verbindungsprobleme zu Remote-Systemen können auftreten, etwa in Form von Dienst-Ausfällen oder Netzwerkstörungen. In Multi-Cloud-Szenarien mit Side-by-Side-Erweiterungen auf der SAP BTP führen solche Unterbrechungen häufig zu Verzögerungen oder Ausfällen bei Anfragen und beeinträchtigen so die Anwendung. Darüber hinaus müssen bei der Integration von APIs aus unterschiedlichen Cloud-Umgebungen verschiedene Rate-Limits und API-Standards beachtet werden.
Um Ausfälle durch Grenzwertüberschreitungen zu vermeiden und die Integrationszuverlässigkeit sicherzustellen, sind geeignete Fehlerbehandlungsmechanismen erforderlich. Ein weiteres Hindernis ist die eingeschränkte Möglichkeit, HTTP-Anfragen lokal zu testen. Obwohl dies prinzipiell möglich ist, erfordert es hohen Aufwand, da die Anwendung in der SAP BTP trotz lokaler URL tatsächlich in der Cloud ausgeführt wird. Tools wie Postman funktionieren daher nicht direkt. Zuverlässige Ergebnisse lassen sich am besten erzielen, indem Tests im CAP-Projekt innerhalb des Cloud-„Dev Space“ durchgeführt werden. Diese Herausforderungen machen deutlich, dass klare Richtlinien und gezielte Schulungen notwendig sind, um die Vorteile moderner Cloud-Architekturen vollständig ausschöpfen zu können.
Fazit und Empfehlungen
Die Ergebnisse zeigen, dass die Cloud-native Architektur langfristig die bessere Wahl für Side-by-Side-Erweiterungen ist, während die Microservices-Architektur kurzfristig eine bewährte Lösung bleibt. Unternehmen sollten jedoch schrittweise auf Cloud-native Ansätze umsteigen, um von Skalierbarkeit und Automatisierung zu profitieren.
Um ein erstes Fundament zu schaffen, sollten Unternehmen:

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